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Kloster Ebersberg

Der Legende nach ließ Graf Sieghart um 880 n. Chr. über der Höhle eines Ebers eine Marienkapelle und eine aus Holz gebaute Burg errichten. Siegharts Sohn Rathold stiftete dem Augustiner-Orden auf der Südseite der Kirche ein kleines Kloster. Ratholds Nachfolger Eberhard I. ließ die Burg 933 erweitern und mit einer Mauer umfassen. Ein Jahr später gab er den Bau der Kirche zu Ehren des Pestpatrons St. Sebastian in Auftrag.

Probst Hunfried brachte die Hirnschale des Heiligen nach Ebersberg. Die Verehrung dieser Reliquie löste eine der bedeutendsten Wallfahrten im Süddeutschen Raum aus, die Ebersberg zum Ziel zahlreicher Wallfahrer machte.

Die Zeit des Benediktiner-Ordens

Nach Eberhards Tod im Jahre 959 übernahm sein Bruder Adalbero, Graf von der Paar, die Grafschaft. Ihm folgte 969 sein Sohn Ulrich, ein Benediktinerzögling, der um 990 das Kloster an den Benediktiner-Orden übergab. Es war der Beginn einer Jahrhunderte langen Geschichte, die Ebersberg zu hoher kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung führte.

Mit Ulrichs Sohn Adalbero III. 1045 n. Chr. starb das Geschlecht der Grafen von Sempt aus. Noch zu Lebzeiten hatte Adalbero einen Großteil seines Besitzes dem ­Kloster Ebersberg vermacht und als Reichskloster an Kaiser Heinrich III.  übergeben. Grafen aus verschiedenen Geschlechtern hatten danach die Schirmvogtei über das Kloster, bis schließlich die Grafen von Scheyern dieses Amt übernahmen. Als sie später die Herzogwürde erhielten, kam das Kloster unter Landeshoheit.

Noch vor der Existenz Münchens war Ebersberg der wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Angelpunkt zwischen Inn und Isar. In der Reihe hervorragender Äbte des Benediktinerklosters ist vor allem Abt Williram zu nennen. Um 1050 legte er die Ebersberger Chronik an und vermutlich auch das von seinen Nachfolgern weitergeführte Cartular.

Der wohl bedeutendste Abt in dieser Zeit war der kunstsinnige und tatenfrohe Abt Sebastian Häfele, der in den Jahren zwischen 1472 und 1500 die Geschäfte des Klosters führte. Er ließ die Seitenschiffe der nach dem Brand von 1305 in gotischem Stil wieder aufgebauten Kirche erhöhen und baute sie damit zu einer Hallenkirche aus.

1495 errichtete er den klösterlichen Bauhof an der Bahnhofstraße, dessen Eingangstor sein Wappen und die Baujahreszahl trägt. Abt Häfele beauftragte auch den Wasserburger Bildhauer Wolfgang Leb, das Stiftergrab des Grafen Ulrich und der Gräfin Richardis aus Rotmarmor zu schaffen. Es gilt heute noch als das schönste Marmorhochgrab Süddeutschlands und kann im Eingangsbereich der Pfarrkirche St. Sebastian besichtigt werden.

Im Jahre 1446 gründete Abt Eckhart die Sebastiansbruderschaft. Ihr gehörten Mitglieder des höchsten Adels an.

Aufschwung unter der Klosterherrschaft der Jesuiten

1595 wurde das Kloster den Jesuiten übergeben und erlebte unter ihnen eine neue Blüte. Die Wallfahrten zum Pestpatron mehrten sich zusehends, nachdem die Sebastianibruderschaft 1644 wiederbelebt wurde, Die Bruderschaft besteht bis heute, sie feiert jährlich das Titularfest jeden ersten Sonntag im Monat.

1668 wurde die im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigte Stiftskirche erneuert und die Sebastianskapelle erbaut. Sie enthielt die Reliquienschränke und die kostbare Silberbüste mit der Hirnschale des Heiligen Sebastian. Der Hochaltar wurde mit der überlebensgroßen Schnitzfigur des Heiligen Sebastian geschmückt. In dieser Zeit besang auch der Jesuitenpater Jacob Balde in neulateinischen Oden die Schönheit der Gegend, ganz besonders den Reiz des Egglburger Sees.

Die Bedeutung des Klosters wurde 1773 durch die Aufhebung des Jesuitenordens kam ins Stocken. 1781 vernichtete ein Großbrand die "Residenz" und den Dachstuhl der Kirche.

Die Malteser in Ebersberg

Nach dem Großbrand im Kloster und in der Kirche übernahmen die Malteser die Ruinen. Sie restaurierten die abgebrannten Gebäude samt Kirche und errichteten auch die erste Wasserversorgungsanlage mit einem Pumpwerk, die das Hofwirtshaus, den Marktbrunnen und das Kloster Ebersberg mit Wasser versorgten. 1795  wurde der Benediktinermönch Candid Huber, ein anerkannter Forstwissenschaftler als Pfarrvikar nach Ebersberg berufen.

Als Begründer des neuzeitlichen Brauwesens gilt der ehemalige Jesuitenbruder, Benno Scharl, der mit den Maltesern nach Ebersberg gekommen war. Er verwendete erstmals zum Bierbrauen die Kulturhefe anstelle der damals üblichen wilden Hefe.

Das Ende der 900-jährigen Klostergeschichte Ebersbergs

Die Säkularisation brachte dem Jahrhunderte langen geistigen und kulturellen Zentrum Ebersberg den Niedergang. 1799 mussten die Kirchenschätze nach München gebracht werden. Die alte Pfarrkirche St. Valentin (an der Stelle des heutigen Gasthauses Neuwirt) wurde 1807 abgerissen. Die 900-jährige Klostergeschichte fand 1808 ihr Ende, als der Malteserorden säkularisiert wurde. Obwohl 1812 das Landgericht und 1815 das „Rentamt“ nach Ebersberg verlegt wurden, nahm der wirtschaftlichen Niedergang Ebersbergs seinen Lauf.

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